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Die Kirche in Polditz

Auf einer Anhöhe gelegen prägt das mächtige und erhabene Bauwerk das Bild der Landschaft. So manchen Reisenden oder Wanderer hat die riesige, scheinbar auf freiem Feld stehende Kirche schon bewogen, sich diese aus der Nähe anzuschauen.

  Die Kirche in Polditz  
 
 
Tatsächlich wohnen im dazugehörigen Dorf nur 160 Einwohner. "Wie kommt diese Kirche in dieses kleine Dorf?" ist dann oft die erste Frage. Zu dieser Kirche gehören noch elf weitere kleine Dörfer mit insgesamt etwa 2000 Einwohnern. Ungefähr 400 davon sind evangelische Gemeindeglieder. Aber dieser Umstand erklärt ein so gewaltiges Bauwerk mit etwa 1000 Sitzplätzen an diesem Ort noch nicht ausreichend. Die ursprüngliche Kirche des Ortes stand in Altleisnig, der ersten Ansiedlung des Ortes Leisnig jenseits der Mulde. Diese kleine, sehr alte, Dorfkirche brannte leider 1860 ab. Zweifellos war diese Kirche für damalige Verhältnisse zu klein, außerdem war sie immer wieder durch das Hochwasser der Mulde gefährdet. In einer Zeit zunehmender Industrialisierung beschloß der damalige Kirchenvorstand den Neubau einer Kirche außerhalb des Hochwasserbereiches und in einer dem erwarteten Bevölkerungszuwachs entsprechenden Größe zu bauen. Die damals gefundenen Torfkohlevorkommen im nahen Thümmlitzwald erwiesen sich als nicht so ergiebig. Die Ansiedlung von Industrie blieb in diesem Bereich der Mulde aus. So entsprach die große Kirche eigentlich nie so recht den tatsächlichen Bedürfnissen unserer Gemeinde und wurde zunehmend zu einer enormen Belastung!

Anstehende Baureparaturen konnten aus Mangel an finanziellen Mitteln und in DDR-Zeiten aus Mangel an ökonomischen Möglichkeiten nicht oder nur unzureichend durchgeführt werden. 1980 mußte dann der baufällige 64 m hohe Turm abgetragen werden und durch eine einfache, dem neuromanischen Baustil durchaus angemessene Turmhaube ersetzt werden. Doch damit nicht genug: angesichts aussichtsloser Lage beschloß der Kirchenvorstand schweren Herzens die Aufgabe des Kirchengebäudes. Das Dach sollte abgetragen, die Mauern gesichert werden und die Kirche als Ruine stehen bleiben (selbst der Abriß war viel zu teuer). Für die wertvolle, aber schon sehr geschädigte Orgel wurde angstrengt ein Platz in einer anderen Kirche gesucht. Zum Glück kam es dann doch anders.

Das unmöglich Scheinende gelang! Zwei Jahre lang zogen einige engagierte Gemeindeglieder viele Wintersonnabende in den Wald, fällten Bäume, schnitten sie im Sägewerk zu Brettern und Bauholz, stapelten sie im Pfarrgarten zum Trocknen ein. Vom April bis Oktober 1987 waren dann Gemeindeglieder Wochenende für Wochenende bei der Arbeit und erneuerten das gesamte 1200 Quadratmeter große Kirchendach. Die wenigsten waren Baufachleute. Traktoristen, Bäcker, Schlosser, Krankenschwestern, Hausfrauen halfen mit. In mehr als 3000 freiwilligen, unbezahlten Arbeitsstunden haben 60 Gemeindeglieder bei dieser Arbeit aktiv mitgemacht. Die 60.000 Mark der Kosten wurden ebenfalls überwiegend durch Spenden der Gemeindeglieder gedeckt. Etwas weniger spektakulär, aber kontinuierlich gingen dann auch die Arbeiten bei der Sanierung des Außenfassade voran.

  Blick auf die Ladegastorgel  
 
 
Ende 1991 war über die Hälfte des Kirchenschiffes neu verputzt. Am 3. Oktober 1992 konnte der fertig restaurierte Innenraum des Kirchenschiffes eingeweiht werden, und im Jahr 1993 wurde die Innen- und Außenerneuerung des Kirchturmes abgeschlossen. Dies alles geschah unter ganz anderen wirtschaftlichen Bedingungen als die Erneuerung des Kirchendaches: mit Unterstützung von Baufirmen, durch Einbeziehung von ABM-Maßnahmen und Fördermitteln des Denkmalschutzes. Aber ohne die Hilfe der Gemeindeglieder wäre auch das unmöglich gewesen. Zuletzt haben vor allem Zivildienstleistende die Nebenräume, Betstuben und Treppenaufgänge der Kirche saniert. Reparaturen an den Eingängen, den Glocken und der Turmuhr wurden und werden noch ausgeführt. Zur Zeit werden die Außenanlagen um die Kirche neu gestaltet.
Im Innern befindet sich der wertvollste Schatz der Kirche: die 1868 von Friedrich Ladegast fertiggestellte Orgel. Mit drei Manualen und 33 Registern ist sie die größte Ladegastorgel in Sachsen und zudem noch genauso erhalten, wie sie von Ladegast konzipiert und gebaut wurde. Sie steht jährlich in der Woche zwischen Pfingsten und Trinitatis im Mittelpunkt der Polditzer Orgelwoche, die vom Polditzer Orgelverein e. V. veranstaltet wird. Darüberhinaus gibt es in Polditz traditionell zum Jahresbeginn, in der Passionszeit, zum Reformationsfest und in der Adventszeit kirchenjahresbezogene größere Konzerte, in denen J. S. Bachs große Passionen, Händels Messias, Werke von Schütz, Telemann u. a. aufgeführt wurden. (Übrigens: einer konzertanten Aufführung von Henry Purcells "Dido und Äneas" während der Sechsten Polditzer Orgelwoche verdankt Polditz das Henry-Purcell-Denkmal vor der Kirche, das der Dresdener Bildhauer Joachim Zehme nach der konzertanten Aufführung von Purcells "King Arthur" 2003 enthüllte.)
 
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